Übersicht der klinischen Studien zu DermaSensor
Die Gebrauchsanweisung (IFU) nennt insgesamt zehn klinische Studien, die die Sicherheit und klinische Leistungsfähigkeit des DermaSensor-Geräts und des zugrunde liegenden Algorithmus unterstützen. Die Studien lassen sich in frühe klinische Studien, klinische Validierungsstudien, Reader-Studien zur Unterstützung ärztlicher Entscheidungen sowie eine Studie zur Wiederholbarkeit und Reproduzierbarkeit einteilen.
1. DERM-ASSESS II
Studientitel: DermaSensor Use in the Assessment of Skin Lesions Suggestive of Cancer (DERM-ASSESS II)
Studiendesign: Prospektive, verblindete, multizentrische klinische Studie an vier dermatologischen Studienzentren in den USA.
Studienumfang: 333 Hautläsionen, davon 169 maligne und 164 benigne.
Fragestellung: Die Studie diente zum einen dem Training des DermaSensor-Algorithmus und zum anderen der Validierung der klinischen Leistungsfähigkeit bei Läsionen mit Verdacht auf Melanom, Basalzellkarzinom (BCC) oder Plattenepithelkarzinom (SCC).
Ergebnisse: Die Sensitivität des Geräts betrug 97,0 % bei einer Spezifität von 26,2 %.
Einordnung: Die Studie zeigte eine sehr hohe Sensitivität bei der Erkennung maligner Hautläsionen. Die vergleichsweise geringe Spezifität bedeutet, dass ein relevanter Anteil gutartiger Läsionen ebenfalls als weiter abklärungsbedürftig eingestuft wurde.
2. Skin Center Investigator-Initiated Study (IIS)
Studientitel: Use of an ESS-based Adjunctive Tool in the Assessment of Lesions Suggestive of Skin Cancer
Studiendesign: Prospektive, verblindete klinische Studie an einem dermatologischen Zentrum in Neuseeland.
Studienumfang: 410 Hautläsionen, davon 50 maligne und 360 benigne.
Fragestellung: Untersucht wurde die Leistungsfähigkeit von DermaSensor als ergänzendes diagnostisches Instrument bei Patienten mit Läsionen, die klinisch auf Melanom, Basalzellkarzinom oder Plattenepithelkarzinom verdächtig waren.
Ergebnisse: Die Sensitivität betrug 96,0 %, die Spezifität 31,4 %.
Einordnung: Auch diese Studie bestätigte die hohe Sensitivität von DermaSensor bei gleichzeitig deutlich niedrigerer Spezifität.
3. PATIENT-SELECT
Studientitel: Use of DermaSensor on Patient-Selected Lesions that are Concerning for Skin Cancer
Studiendesign: Prospektive, verblindete Studie an einem Primary-Care-Studienzentrum in den USA.
Studienumfang: 155 Hautläsionen, davon 10 maligne und 145 benigne.
Fragestellung: Untersucht wurde die Leistungsfähigkeit von DermaSensor bei Hautläsionen, die nicht primär durch den Arzt, sondern durch die Patienten selbst als auffällig bzw. besorgniserregend identifiziert worden waren.
Ergebnisse: Die Sensitivität betrug 90,0 %, die Spezifität 60,7 %.
Einordnung: Die Studie untersuchte eine andere Patienten- bzw. Läsionsselektion als die übrigen klinischen Studien. Aufgrund der lediglich zehn malignen Läsionen ist die Aussagekraft zur Sensitivität jedoch eingeschränkter als bei den größeren klinischen Studien.
4. DERM-ASSESS II Reader Study
Studientitel: A Multi-Reader Multi-Case Companion Study to the DERM-ASSESS II Clinical Study
Studiendesign: Prospektive Multi-Reader-Multi-Case-Studie in den USA.
Studienumfang: 57 Primary-Care-Ärzte führten insgesamt 5.700 Läsionsbeurteilungen durch.
Fragestellung: Untersucht wurde, ob die Kenntnis des DermaSensor-Ergebnisses die diagnostische bzw. klinische Entscheidung von Haus- und Primärversorgungsärzten bei Melanom, Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom verbessert.
Ergebnisse: Die Sensitivität der Ärzte betrug ohne DermaSensor 81,4 % und mit Kenntnis des DermaSensor-Ergebnisses 94,2 %. Der Unterschied war statistisch signifikant.
Die Spezifität betrug ohne DermaSensor 36 % und mit DermaSensor 31 %. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant.
Einordnung: Der Einsatz von DermaSensor erhöhte in dieser Studie deutlich die Wahrscheinlichkeit, dass Ärzte maligne Läsionen korrekt als weiter abklärungsbedürftig einstuften.
5. DERM-SUCCESS Pivotal Clinical Study
Studientitel: DermaSensor Study of Primary Care Physician Use of Elastic-Scattering Spectroscopy on Skin Lesions Suggestive of Skin Cancer
Studiendesign: Internationale, multizentrische, prospektive und verblindete klinische Studie an 22 Primary-Care-Studienzentren, davon 18 in den USA und vier in Australien.
Studienumfang: 1.005 Patienten mit insgesamt 1.579 Hautläsionen. 224 Läsionen waren maligne.
Fragestellung: Untersucht wurde die diagnostische Leistungsfähigkeit von DermaSensor bei biopsiewürdigen Hautläsionen mit Verdacht auf Hautkrebs, wenn das Gerät von Primary-Care-Ärzten eingesetzt wird. Die Histopathologie diente als Referenzstandard.
Ergebnisse: Die Sensitivität von DermaSensor betrug 95,5 %.
Zum Vergleich lag die klinische Sensitivität der teilnehmenden Primary-Care-Ärzte bei 83,0 %.
Der Unterschied war statistisch hochsignifikant.
Die Studie erreichte außerdem das vorab definierte Leistungsziel einer Sensitivität von mindestens 90 %.
Einordnung: DERM-SUCCESS ist aufgrund der Größe, des prospektiven Designs, der multizentrischen Durchführung und der histopathologischen Referenz eine der zentralen klinischen Validierungsstudien von DermaSensor.
6. DERM-SUCCESS Pivotal Reader Study
Studientitel: A Multi-Reader, Multi-Case Companion Study to the DERM-SUCCESS Clinical Study
Studiendesign: Prospektive Multi-Reader-Multi-Case-Studie in den USA.
Studienumfang: 108 Primary-Care-Ärzte führten insgesamt 10.800 Beurteilungen durch.
Fragestellung: Untersucht wurde, ob die Bereitstellung des DermaSensor-Ergebnisses die Erkennung von Hautkrebs und die Entscheidung zur weiteren Abklärung bzw. Überweisung verbessert.
Ergebnisse: Die Sensitivität der Ärzte betrug ohne DermaSensor 82,0 %. Mit Kenntnis des DermaSensor-Ergebnisses stieg die Sensitivität auf 91,4 %. Zusätzlich erhöhte sich die diagnostische Gesamtleistung, gemessen anhand der AUROC, von 0,708 auf 0,762.
Einordnung: Die Studie zeigt, dass DermaSensor nicht nur isoliert eine hohe Sensitivität besitzt, sondern auch die klinische Entscheidungsleistung von Ärzten verbessern kann.
7. DERM-ASSESS III
Studientitel: DermaSensor Use in the Assessment of Skin Lesions Suggestive of Melanoma III
Studiendesign: Internationale, multizentrische, prospektive und verblindete klinische Studie an zehn Zentren, davon acht in den USA und zwei in Australien.
Studienumfang: 311 Patienten mit insgesamt 440 Hautläsionen. Darunter befanden sich 88 melanocytäre Hochrisikoläsionen.
Fragestellung: Untersucht wurde insbesondere die Leistungsfähigkeit von DermaSensor bei biopsiewürdigen Hautläsionen mit Verdacht auf Melanom.
Ergebnisse: Die Sensitivität für melanocytäre Hochrisikoläsionen betrug 90,9 %. Die Sensitivität für Melanome betrug 95,5 %. Die Spezifität lag bei 32,5 %.
Einordnung: Die Studie bestätigt insbesondere für Melanome eine hohe Sensitivität des Geräts.
8. DERM Repeatability and Reproducibility Study
Studientitel: DermaSensor Repeatability and Reproducibility Study (DERM R&R)
Studiendesign: Internationale, multizentrische, prospektive und verblindete Studie an zwei Studienzentren, einem in den USA und einem in Australien.
Studienumfang: 52 Patienten mit insgesamt 64 Läsionen, darunter 23 maligne Läsionen.
Fragestellung: Untersucht wurde nicht primär die diagnostische Genauigkeit, sondern die Wiederholbarkeit und Reproduzierbarkeit der Messergebnisse von DermaSensor.
Ergebnisse: Die Gesamt-Repeatability, also die Übereinstimmung bei Wiederholungsmessungen, betrug 84,2 %. Die Gesamt-Reproducibility betrug 87,8 %. Bei ausschließlich malignen Läsionen betrugen sowohl Repeatability als auch Reproducibility 97,1 %.
Einordnung: Die Ergebnisse sprechen insbesondere bei malignen Läsionen für eine hohe Konsistenz der Messergebnisse.
9. DermaSensor Pigmented Reader Study
Studientitel: A Multi-Reader, Multi-Case Study for Evaluating the Impact of the DermaSensor Device on Primary Care Physicians’ Assessment of Pigmented Lesions
Studiendesign: Prospektive Multi-Reader-Multi-Case-Studie in den USA.
Studienumfang: 77 Primary-Care-Ärzte führten insgesamt 10.472 Beurteilungen durch.
Fragestellung: Untersucht wurde, welchen Einfluss das DermaSensor-Ergebnis auf die Beurteilung pigmentierter Hautläsionen durch Primary-Care-Ärzte hat.
Ergebnisse: Die AUROC der Ärzte erhöhte sich mit DermaSensor um 1,5 Prozentpunkte. Die Sensitivität für Hautkrebs insgesamt erhöhte sich um 5,8 Prozentpunkte. Die Sensitivität für Melanome erhöhte sich um 6,6 Prozentpunkte. Gleichzeitig reduzierte sich die Spezifität um 10,6 Prozentpunkte.
Einordnung: Die Studie zeigt den für DermaSensor typischen klinischen Trade-off: Durch den Einsatz des Geräts werden mehr maligne Läsionen erkannt, gleichzeitig werden jedoch auch mehr benigne Läsionen zur weiteren Abklärung empfohlen.
10. DERM-ASSESS III Reader Study
Studientitel: A Multi-Reader, Multi-Case Study for Evaluating the Impact of the DermaSensor Device on Primary Care Physicians’ Assessment of Lesions Suggestive of Melanoma
Studiendesign: Prospektive Multi-Reader-Multi-Case-Studie in den USA.
Studienumfang: 118 Primary-Care-Ärzte führten insgesamt 11.800 Beurteilungen durch.
Fragestellung: Untersucht wurde, ob die Kenntnis des DermaSensor-Ergebnisses die diagnostische Beurteilung insbesondere von melanomverdächtigen Hautläsionen durch Primary-Care-Ärzte verbessert.
Ergebnisse: Die AUROC erhöhte sich um 4,1 Prozentpunkte. Die Sensitivität für sämtliche Hautkrebsarten erhöhte sich um 8,1 Prozentpunkte. Die Sensitivität speziell für Melanome erhöhte sich um 8,8 Prozentpunkte. Die Spezifität reduzierte sich um 5,6 Prozentpunkte.
Einordnung: Die Studie zeigt eine relevante Verbesserung der Sensitivität der Ärzte, insbesondere bei der Erkennung von Melanomen.
Zusammenfassende Bewertung der klinischen Evidenz
Die zehn in der IFU dargestellten Studien untersuchen unterschiedliche Aspekte der klinischen Leistungsfähigkeit von DermaSensor. Die eigentlichen diagnostischen Validierungsstudien zeigen konsistent eine hohe Sensitivität. Bei Läsionen, die durch Ärzte bereits als hautkrebsverdächtig und biopsiewürdig eingestuft wurden, liegt die Sensitivität des Geräts überwiegend im Bereich von etwa 90 bis 97 %.
Besonders relevant ist die große DERM-SUCCESS-Studie mit 1.005 Patienten und 1.579 histopathologisch überprüften Hautläsionen. In dieser Studie erreichte DermaSensor eine Sensitivität von 95,5 %.
Die Reader-Studien beantworten eine andere klinisch wichtige Fragestellung: Sie untersuchen, ob Ärzte bessere Entscheidungen treffen, wenn ihnen zusätzlich das DermaSensor-Ergebnis zur Verfügung steht.
Auch hier zeigen die Studien ein konsistentes Ergebnis. Die Sensitivität der Ärzte steigt durch die zusätzliche Verwendung von DermaSensor. Abhängig von der jeweiligen Studie beträgt dieser Zugewinn ungefähr 6 bis 13 Prozentpunkte. Dieser Sensitivitätsgewinn geht teilweise mit einer niedrigeren Spezifität einher. Dies entspricht dem grundsätzlichen Konzept des Geräts: DermaSensor ist darauf ausgerichtet, das Risiko zu reduzieren, eine maligne Hautläsion zu übersehen. Dafür werden mehr gutartige Läsionen als weiter abklärungsbedürftig eingestuft. Die Repeatability-and-Reproducibility-Studie ergänzt die diagnostischen Studien durch den Nachweis, dass insbesondere bei malignen Läsionen eine hohe Übereinstimmung bei wiederholten Messungen erzielt wird.
Insgesamt zeigt das klinische Studienprogramm damit drei wesentliche Aspekte:
- Hohe Sensitivität bei der Erkennung von Hautkrebs, einschließlich Melanom, Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom.
- Verbesserung der Sensitivität ärztlicher Entscheidungen, wenn DermaSensor zusätzlich zur klinischen Untersuchung eingesetzt wird.
- Hohe Wiederholbarkeit und Reproduzierbarkeit, insbesondere bei malignen Läsionen.
DermaSensor ist dabei als ergänzendes diagnostisches Instrument zu verstehen. Das Gerät ersetzt weder die klinische Untersuchung noch die Histopathologie, sondern unterstützt den Arzt bei der Entscheidung, ob eine verdächtige Hautläsion weiter abgeklärt werden sollte.
